Zum Beispiel Hannover, Vahrenwalder Platz: Im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Mietshauses das Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurant »Der Goldene Drache«. Ununterbrochen wird in der engen Küche gekocht. Einer der fünf Köche, ein junger Asiate, ist auf der Suche nach seiner Schwester. Jetzt hat er schreckliche Zahnschmerzen, aber keine Aufenthaltsgenehmigung. Was tun? Nicht weit vom »Goldenen Drachen« ein Lebensmittelspätverkauf. Hansi, der Verkäufer, isst gern die 103 – ... weiter lesengebackenes Rindfleisch mit Gemüse, scharf. Er hat eine Vorliebe für Fabeln. Er käme selbst sehr gern in einer vor. In der Wohnung über dem Laden, vollgestopft mit Lebensmitteln, geht er statt dessen einem fabelhaften Nebengeschäft nach. Zuseinen Kunden gehören sowohl der alte Mann, der über dem »Goldenen Drachen« wohnt, als auch der von seiner Frau verlassene Mann im gestreiften Hemd von nebenan. Nach achtzehnstündigem Flug findet eine Flugbegleiterin in ihrer Thai-Suppe einen fremden kariösen Zahn. Der Fund beunruhigt sie sehr, und nur schwer kann sie sich wieder von ihm trennen. Der junge Koch aus Asien, der ehemalige Besitzer des Zahns, wird seine Schwester knapp verfehlen. Alle Figuren dieses Stückes haben irgendwie miteinander zu tun und begegnen sich doch nur am Rande. Die Zufälligkeit, mit der sich ihre Lebenslinien über Kontinente hinweg kreuzen, sorgt gleichermaßen für schreiendeKomik und schwebende Traurigkeit.
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